Jazzmeister

Ionisches System

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Das ionische System, eine gute Basis!

C-Dur erste Lage C-Dur erste Lage (Zum Vergrößern Klicken)

Hier seht ihr die erste Lage der C-Dur-Tonleiter. Das ionische System bildet eine der wichtigsten, wenn nicht sogar DIE wichtigste Skala. Sie sollte eigentlich noch vor der Bluesskala oder der Pentatonik geübt werden. Das Lernen der Pentatonik bietet sich als Anfänger oft zuerst an, da sie herrlich einfach erscheint. Viele Gitarristen bleiben jedoch ihr Leben lang an der Pentatonik oder der Bluesskala kleben, da ihnen die Pentatonik als ausreichend erscheint. Oft hört man Dinge wie "Die Pentatonik reicht für mich" oder "Für meine Musik ist das ausreichend". Damit bringt man nur ein generelles Desinteresse an seinem Instrument zum Ausdruck. Schade eigentlich... Zu verstehen, welche Funktion die Pentatonik über eine Akkordfolge erfüllt, ist um einiges schwieriger als bei der Dur-Tonleiter. Der folgende Workshop soll zeigen, warum man die Durskala zuerst lernen sollte, wie man Zusammenhänge erkennt und so im Songwriting und in der Improvisation neue Wege finden kann. Auf geht's!

Die Harmonisierung der Durtonleiter

Mit der Durtonleiter lassen sich sieben Harmonien bilden. Fakt ist, um die Zusammenhänge zu verstehen und die Skala anwenden zu können, muss man sie harmonisieren, also Harmonien aus ihr bilden. Das geht so:

Man nehme den ersten, den dritten, den fünften und den siebten Ton und schichte sie übereinander.

1-3-5-7 = C-E-G-B = Cmaj7

cmaj7 Cmaj7

Nun nehmen wir den zweiten Ton der C-Dur-Tonleiter (D) als Startpunkt, um von dort aus den nächsten Akkord zu bilden. Wieder zählen wir:

1-3-5-7 = D-F-A-C = Dm7

dm7 Dm7

Nun ab dem dritten Ton der C-Dur-Tonleiter (E):

1-3-5-7 = E-G-B-D = Em7

em7 Em7

Und so weiter... Es ergeben sich noch folgende Harmonien:

fmaj7 Fmaj7 g7 G7 am7 Am7 Bm7b5 Bm7b5

Die sieben Stufen der Dur-Tonleiter

Jedem Ton der Tonleiter lässt sich nicht nur eine Harmonie zuordnen, sondern auch eine Skala. Natürlich ist es immer noch die C-Dur-Tonleiter, jedoch beginnt man sie von einem anderen Ton als dem ersten (C). Die einzelnen Stufen der C-Dur-Tonleiter heißen:

  1. Ionisch (maj7)
  2. Dorisch (m7)
  3. Phrygisch (m7)
  4. Lydisch (maj7)
  5. Mixolydisch (dom 7)
  6. Aeolisch (oder Moll) (m7)
  7. Lokrisch (m7b5)

Im Video sehr ihr, wie die Harmonisierung in der Praxis aussieht und wie die C-Dur-Tonleiter über die einzelnen gebildeten Harmonien klingt.

Video ionisches System (C-Dur)

"Sound is what drives my solos, not verbal concepts: I never think 'I'm going to use a Lydian Dominant scale and then go up a half-step', even though that might be exactly what I end up doing..."

− John Scofield

Über sieben Stufen musst du geh'n!

Wenn ihr also die A-Moll-Tonleiter spielt, dann heißt das nichts anderes, als C-Dur über einen A-Moll Akkord zu spielen! Denn: A ist der sechste Ton der C-Dur-Tonleiter, die sechste Stufe ist aeolisch (Moll) und die sechste Harmonie ist ein Am7.

Probiert's doch selber einmal aus! Spielt die C-Dur-Skala einfach mal über die einzelnen Akkorde, die ihr zuvor aus ihr gebildet habt. Probiert ein bißchen herum. Interessant ist auch, dass ihr die Akkorde durcheinanderwürfeln könnt. Spielt ein paar der Akkorde hintereinander weg, wie z.B.: Fmaj7 - G7 - Am7

Die C-Dur-Skala passt immer! Leider muss man das Ganze bis zur Erschöpfung üben und die Dur-Skala in allen Lagen auf dem Griffbrett beherrschen. Zudem sollte man die Skala in verschiedenen Intervallen rauf und runter spielen können, dazu aber später mehr in anderen Seminaren.

Lasst euch nicht von Fachbegriffen verwirren. Versucht mal über einen normalen Dur-Akkord lydisch statt Ionisch zu spielen. Das bedeutet wenn ihr einen C-Dur-Akkord habt, spielt ihr statt C-Dur einfach G-Dur. Da C der vierte Ton der G-Dur Skala ist, und die vierte Stufe nunmal Lydisch ist, spielt ihr dann C-Lydisch. Dazu müsst ihr nur den oben gezeigten Fingersatz im 10ten statt im 3ten Bund beginnen.

Im Jazz wird oft jeder Akkord einzeln gesehen, so dass man in einer Akkordfolge wie Fmaj7 - G7 - Am7 z.B. F ionisch - G mixolydisch - A dorisch spielen könnte. Das würde heißen: F Dur über Fmaj7 - C Dur über G7 - G Dur über Am7

Zu diesem Thema wird es noch weitere Workshops geben, da es sonst den Rahmen sprengen würde.

Achtet immer darauf, dass die Skala (aeolisch, lydisch, was auch immer) auch zu dem Akkord passt über den ihr sie anwendet. Das heisst, dass ihr z.B. die Lydische Skala auch nur über den Akkord spielen könnt, der sich auf der gleichen Stufe bildet, also Lydisch (vierte Stufe) über einen maj7 Akkord (vierte Stufe).

Also: Dur-Skala üben! Die modale Spielweise (jede Harmonie als eigenständig sehen) wird euch ganz neue Möglichkeiten eröffnen und kann euren Sound deutlich interessanter klingen lassen!

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